Ist ein Klapprad nur alt oder Nostalgie auf zwei Rädern?

Klapprad alt

Klapprad – nur alt oder Kult? In der heutigen Gesellschaft haben Retro und Nostalgie derzeit Hochkonjunktur. Auch das alte Klapprad erlebt eine faszinierende Renaissance. Was einst als sperriger Schrott galt, wird heute als Sammlerstück hochgeschätzt. Aber warum zieht das Klappi, wie es liebevoll genannt wird, die Menschen so in seinen Bann?

 

Geschichte und Retrotrend: das alte Klapprad, ein Mobilitätswunder der Vergangenheit

Das Klapprad hat eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Die einst als pragmatische Lösung für urbane Mobilitätsprobleme entworfenen Räder in den 60er und 70er-Jahren, erleben derzeit eine Renaissance. Dieses Phänomen zieht nicht nur die in den Bann, die während der Bonner Republik oder des Kalten Krieges aufgewachsen sind, sondern auch jüngere Generationen. Für viele ist das Klapprad ein altes Symbol für Authentizität und Einzigartigkeit in einer immer uniformeren Welt.

Kein Wunder, dass alte Klappis heute nicht mehr auf dem Schrottplatz landen, sondern für mehrere Hundert Euro verkauft werden. Ob italienisches Duemilla oder japanisches Katakura Porta Silk Cycle, viele alte Modelle des Klapprads haben mittlerweile Sammlerstatus erlangt. Das gilt auch für eine verbaute Fichtel & Sachs-Duomatic aus den 70er-Jahren. Selbst das Bickerton, das wegen seines seltsamen Fahrverhaltens eher verpönt war, ist heute Kult. So gehört mittlerweile ein Klapprad, alt wie neu, wieder zum Straßenbild der ein oder anderen Großstadt dazu.

 

Klapprad alt

Klapprad – alt, aber retro

Ein altes Klapprad ist nicht nur ein Transportmittel, sondern auch Symbol einer vergangenen Zeit. Einer Zeit, die in der Bonner Republik eine besondere Ausprägung fand. So verhalfen die Klappräder damals den jungen Männern zur Flucht nach Berlin, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Die Räder verkörperten damit die Ambivalenz einer Epoche, die zwischen spießigem Bürgertum und den radikalen Ideen der 68er Generation changierte.

Heute erlebt das Klapprad durch den Retrotrend ein Comeback. Doch das Interesse wird nicht nur von den Zeitzeugen getrieben. Vielmehr sind es deren Kinder und Enkel, die sich für die Modelle, etwa dem Heidemann oder dem Sprick, begeistern.

Aber das Klapprad hat noch eine weitere Bedeutung. Es steht inzwischen für Nachhaltigkeit und Individualismus. Die Restaurierung und Personalisierung alter Klappräder wurde zu einer Form des Selbstausdrucks, die das Verlangen nach langlebigen und reparierbaren Produkten erfüllt. So verschmelzen nostalgische Erinnerungen an die alte BRD mit dem zeitgenössischen Streben.

 

Klapprad – alte U-Rahmen Modelle bis moderne E-Bikes

Wer heute ein Klapprad, gerade ein altes, besitzt, der schmückt sein Leben mit einem Stück vergangener deutscher Geschichte. Damit ist das Klapprad weit mehr als nur eine nostalgische Reminiszenz oder ein praktisches Fortbewegungsmittel; es ist eine Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die es erlaubt, beides zu verbinden und zu feiern.

 

Deutsche U-Rahmen Klappräder

Das gängigste alte Klapprad aus deutscher Produktion hatte einen U-Rahmen mit runden oder viereckigen Rohren und 20 Zoll Rädern. Durch ein Scharnier oder ein Verbindungselement im Rahmenhauptrohr vor dem Tretlager konnte das Rad geklappt oder zerlegt werden. Die Variationen reichen vom einfachen Einfachrad bis zur rustikalen Variante mit Stollenreifen und Bonanzagabel. Einige Hersteller haben sogar Tandems mit U-Rahmen produziert.

Fun Fact: Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Klapp-Tandems von Kalkhoff. Diese können entweder zu zweit oder solo gefahren werden, indem einfach der Mittelteil entfernt wird.

 

DDR-Klappräder: Mifa

Dagegen wirkten die Klappräder mit geraden Hauptrohren weniger verschnörkelt. Zudem boten sie eine stabilere Bauweise. Ein bekannter Vertreter dieser Gattung ist das Mifa-Klapprad aus der DDR.

 

Stahlpress-Bauweise beim Klapprad: der alte Holländer

Für diejenigen, die etwas mehr Stil und Qualität suchen, gibt es Klappräder mit einem Rahmen in Stahlpress-Bauweise. Marken wie Sparda 8-80, Batavus und Gazelle aus Holland sind Beispiele für diese eher niederländische Spezialität.

Fun Fact: Durch ihre Stahlpress-Bauweise ähneln diese Räder Mopeds, was ihnen einen unverwechselbaren Retro-Charme verleiht.

 

Designikonen und Wunschlisten

Eine echte Designikone ist das Neckermann Klapprad aus den frühen 60er-Jahren, welches stark an das ebenso ikonische Hercules 2000 erinnert. Beide alten Klappradmodelle stehen bei Sammlern hoch im Kurs und haben ihren festen Platz in der Geschichte der Klappräder. Das Hercules 2000 unterscheidet sich durch ein Scharnier am Zentralrohr, was es zu einer Besonderheit in der Welt der Klappräder macht.

Fun Fact: Beide Modelle sind begehrte Sammlerstücke und stehen oft auf den Wunschlisten von Retro-Rad-Enthusiasten ganz oben.

 

Klappräder für Pendler: Brompton und Co.

Beim Thema Klapprad, gerade alt, darf das Brompton natürlich nicht fehlen. Es ist für viele das beste Klapprad auf dem Markt und überzeugt durch seinen genialen Klappmechanismus und seinen robusten Stahlrahmen. Andere hochwertige Alternativen sind Tern, Dahon, und Riese und Müller mit dem legendären Birdy.

 

E-Klappräder: Die Moderne trifft auf Nostalgie

Auch wenn die Klapprad-Nostalgie in Deutschland stark mit dem klassischen U-Rahmen und einem Klapprad der alten DDR-Serie verbunden ist, kommt die moderne Variante in Form des E-Klapprads nicht zu kurz. Diese Modelle, oft mit fortschrittlicher Lithium-Ionen-Batterietechnologie und leistungsstarken Motoren ausgestattet, sind eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Sie kombinieren den Charme eines Klapprads mit der Bequemlichkeit eines Elektroantriebs. Das erhöhte Gewicht der E-Klappräder ist jedoch ein Nachteil, gerade wenn es um das primäre Merkmal der Portabilität geht.

 

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Klapprad – Alt trifft auf Moderne

Während das Klapprad in alten Zeiten lediglich eine Mobilitätslösung war, ist es heute ein begehrtes Sammlerstück. Dabei spielt es keine Rolle, ob es der Nostalgie-Trend ist, der das Klapprad für neue Generationen wieder attraktiv macht, oder der fortschreitende Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität – das Klapprad bleibt ein Symbol für Vielseitigkeit und Wandelbarkeit.